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UBZ hört zu: Palzing, 18.9.2022

Die Welt entwickelt sich. Besser wird sie nur, wenn man über die Herausforderungen vor Ort spricht, Ideen austauscht, nach Lösungen sucht und diese umsetzt. Vieles kann in Regie einer Gemeinde getan werden, manches aber auch nicht, weil diverse Behörden und Ämter mitzureden, mitzuentscheiden und mitzufinanzieren haben.

Unter dem Motto „UBZ hört zu“ trafen sich am Sonntag 18.9.2022 rund 30 Palzinger auf Einladung der UBZ zum Weißwurstfrühstück bei der Feuerwehr, um sich über eine Vielzahl von Themen auszutauschen. Neben den Gemeinderäten Johannes Forster, Stefan Birkner und Manuela Flohr war auch Bürgermeister Helmut Priller mit dabei. Nach kurzer Begrüßung der Anwesenden durch den UBZ Vorsitzenden Stephan Griebel ging es auch sofort in den Austausch:

Radwege (1): Ohne Grunderwerbsplan kein Grunderwerb. Ohne Grunderwerb kein Radweg. Für den Radweg nach Haindlfing liegt ein Grunderwerbsplan vor, daher konnten hier auch schon viele Flächen erworben werden. Für den seit langem gewünschten Radweg nach Helfenbrunn entlang der StS 2054, liegt ein solcher Plan nicht vor. Damit fehlt die Grundlage, auf der Verhandlungen geführt werden können. An den Grundstückseigentümern und am Willen der Gemeinde liegt es definitiv nicht. Hier ist das staatliche Bauamt gefordert.

Radwege (2): Um heute mit dem Rad Richtung Jägersdorf/Wolfersdorf zu fahren, ist man auf die Wirtsbergstraße angewiesen. Alternativ, weil weniger steil und abseits des Verkehrs bietet sich an die Bergstraße zu verlängern oder den historischen Hohlweg als Verlängerung des den Fichtenweg zu reaktivieren. Diese Variante wäre auch für Spaziergänger sehr reizvoll.

Straßenquerung (1): Im Zuge des Baus der Nordostumfahrung war die B 301 in 2020 zeitweilig ganz gesperrt. Der Verkehr wurde unter anderem durch Palzing umgeleitet. Die zeitweilig aufgestellte Ampelanlage Kreuzung Ampertalstraße/Haindlfinger Straße hat gezeigt, wie wertvoll eine Ampel für die Verkehrssicherheit der Schulkinder und bewegungseingeschränkter Menschen sein kann. Nach Beratung des Gemeinderates am 8.2.2022 haben teilweise bereits Verkehrszählungen stattgefunden. In welcher Form ein Querungshilfe am Ende realisiert werden kann (Bettelampel, Zebrastreifen, Verkehrsinsel) muss noch geprüft und entschieden werden.

Straßenquerung (2): Die Sichtverhältnisse auf der Ampertalstraße/StS 2054 auf Höhe des Sportheims sind aufgrund von Bewuchs, Gefälle und kurviger Straßenführung ungünstig. Die Gefahr bei Querung ist nicht nur für Kinder entsprechend hoch. Auch
ÖPNV / Busverbindungen: Von den Anwesenden wurde Palzing als grundsätzlich gut angeschlossen empfunden, da mehrere Linien hindurchführen. Sinnvoll kann es sein, Lücken im Fahrplan zu schließen, um einen durchgängig regelmäßigen Takt herzustellen. Ebenso scheinen Erweiterungen sinnvoll am sehr frühen Morgen auch am Wochenende (Beschäftigte am Flughafen) oder am Wochenende abends für die Feiernden.
Als gut befunden wurde die vom Bürgermeister vorgetragene Überlegung, außerhalb und unabhängig vom MVV ein Rufbussystem in Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden Kirchdorf und Langenbach aufzubauen.

Hochwasser / Starkregenereignisse: Das Hochwasser der Amper, mehr aber noch die erwartbar häufiger auftretenden Starkregenereignisse machen den Palzinger Sorgen. Wichtig für den Wasserabfluss ist eine regelmäßige Mahd des Bachlaufs und notfalls auch eine jagdliche Entnahme des Bibers, sofern anderen Maßnahmen nicht wirken.
Die Feuerwehr Palzing hat eine mobile Wassersperre Modell: BIBER erprobt und für gut befunden. Die Entscheidung über eine Anschaffung steht an.
Wesentlich ist eine Rückhaltung des Wassers bereits im Oberlauf des Hütgrabens, z.B. durch Ertüchtigung des Wasserdurchlaufs an der FS 9 Richtung Wolfersdorf. Eine Dienstbarkeit in der anliegenden Wiese wurde eingetragen. Geplant ist noch der Einbau von Drosselventilen, um den Abfluss zu verzögern und den Unterlauf zu entlasten.

Internetverbindung: Fast ausnahmslos sind alle Mobilfunkanbieter gut erreichbar. Demnächst wird die Deutsche Telekom die Anbindung ans Glasfasernetz im eigenwirtschaftlichen Ausbau vornehmen. Entsprechende Vereinbarungen mit der Gemeinde sind unterzeichnet. Auch wenn der Bedarf heute noch nicht notwendig erscheint, auf jeden Fall stellt der (kostenfreie) Anschluss eines Hauses eine Aufwertung desselben dar. Bericht Freisinger Tagblatt 30.5.2022

Öffentliche Toilette am Dorfplatz: Regelmäßig wird der Dorfplatz zu verschiedensten Anlässen genutzt. Derzeit verrichten Besucher leider nicht selten ihre Notdurft in oder an nahe gelegenen Gärten. Es fehlt eine auf Dauer eingerichtete Toilettenanlage. Eine Unisex-Toilette erscheint ausreichend.

Förderprogramme: Onyx hat nach zwei Jahren Pause wieder seinen Bürgerfonds aufgelegt. Die ILE vergibt im Rahmen des Regionalbudgets einmal im Jahr Gelder. Die Gemeinde ist Mitglied im LEADER Programm Mittlere Isar geworden. Dies sind Programme, bei denen Fördermittel abgerufen werden können, für Maßnahmen, die nicht zu den kommunalen Pflichtaufgaben einer Gemeinde gehören. Dazu gehört z.B. die gewünschte überdachte Bank auf dem Dorfplatz oder eine Ruheliege am Kreuz Richtung Jägersdorf. Helmut Priller machte Mut, sich in all diesen Fällen auch an die Gemeinde zu wenden. Die Gemeinde fördert sehr gerne Projekte aus der Mitte der Bürgerschaft.

Stephan Griebel bedankte sich in Namen der UBZ zum Abschluss bei der Feuerwehr, stellvertretend beim Kommandanten Martin Ball, für die Gelegenheit und bei allen Anwesenden für die Ideen und Wünsche und den angeregten Austausch. Gerne will man sich nächstes Jahr wieder treffen.

Bericht von der Gemeinderatssitzung am 7.12.2021

Nach der Genehmigung der Sitzungsniederschrift und der Bekanntgabe der Beschlüsse aus der letzten nicht-öffentlichen Sitzung berichtete Bürgermeister Helmut Priller zunächst von einer Spende der Familie Schneider zugunsten einer Schule in Kenia. Diese Spende ermöglichte die Errichtung eines Klassenzimmers und die Anstellung zweier Lehrkräfte. Weitere Informationen zum Projekt „Home of Smile“ auf der Website des gleichnamigen Vereins: https://www.homeofsmile.de

Um zukünftig besser gegen Hochwasser und Überflutung nach Starkregenereignissen gewappnet zu sein, wurde das Planungsbüro für Landschaftsarchitektur Ruhland beauftragt, die planerischen Arbeiten für Rückhaltemaßnahmen entlang Flitzinger Baches wieder aufzunehmen. Hierbei kann auf Planungsunterlagen aus dem Jahre 2012 zurückgegriffen werden, die seither noch nicht umgesetzt wurden. Unter Einbeziehung von Wasserwirtschaftsamt und Naturschutzbehörde werden fünf Maßnahmen zwischen Osterimbach und Kieswerk planerisch vorbereitet und nach Fertigstellung den zuständigen Gremien zur Entscheidung vorgelegt. [Anmerkung: Siehe hierzu auch das Positionspapier der UBZ]

Durch eine Auflage des Wasserwirtschaftsamtes muss die Gemeinde Zolling bis Ende Juli 2022 ein Kataster aller „indirekten Einleiter“ in die örtliche Kanalisation erstellen. Dazu gehören zum Beispiel Gewerbe mit Öl- oder Fettabscheider. Es wird der Bestand ebenso erfasst wir die Funktionstüchtigkeit der Anlagen. Dies dient der Absicherung der Kläranlage gegen umweltschädliche Einleitungen.

Schliesslich berichtete der Bürgermeister über den Sachstand bezüglich Dirtpark/Pumptrack. Da die Anlage nun kleiner geplant wird als ursprünglich einmal diskutiert, erscheint eine Verschiebung in Richtung Westen näher an die Windschutzhecke zweckmäßig. Dadurch entsteht mehr Platz in Ufernähe, welcher später einmal zum Beispiel als weitere Spielfläche zur Verfügung steht.
Da beim Bau der Anlage nicht tiefer als Pflugtiefe gearbeitet wird ist der Denkmalschutz nicht betroffen. Eine archäologische Untersuchung entfällt. Da es sich um eine Freizeitanlage handelt ist eine förmliche Baugenehmigung nicht nötig. Der Erholungsflächenverein hat sich hinsichtlich einer möglichen Förderung noch nicht zurückgemeldet. Gemeinderat Karl Toth merkte an, dass die Frage nach staatlichen Zuschüssen noch nicht abschließend geklärt ist und auch noch kein formeller Beschluss des Gemeinderates zum tatsächlichen Bau vorliegt. Dieses wird nun für die kommende Sitzung im Januar ins Auge gefasst.

Anschließend wurden die Sieger des Fotowettbewerbes „Amperperlen“ ausgezeichnet. Der aus den Siegerbildern zusammengestellte Jahreskalender 2022 ist unter anderem im Rathaus, bei Schreibwaren Koppe, Metzgerei Karl, Edeka Westerfeld und im Kindergarten Kleine Strolche für 7 EUR erhältlich.

Im Zuge der Ausarbeitungen zum Bebauungs- und Grünordnungsplan Gewerbegebiet Harland wurden um die 100 Träger öffentlichen Belange angeschrieben, von denen sich 28 mit Einwendungen oder Anregungen zurückgemeldet haben. Diese Hinweise wurden in die Pläne eingearbeitet. Die auf dem Gelände geplante Straße wird öffentlich sein. Durch die Verlegung der Stromtrasse kann die freiwerdende Fläche überbaut werden. Für Kratzerimbach ist keine Lärmbelästigung zu erwarten, da laut Planung auch Betriebsleiterwohnung möglich sind, wodurch dadurch bereits die Immissionen gering ausfallen. Der Bau einer Abbiegespur auf der B 310 kann zur Folge haben, dass der Bereich geschwindigkeitsbeschränkt wird. Dies ist allerdings Aufgabe der zuständigen Verkehrsbehörden und nicht der Gemeinde.

Als nächstes hat der Gemeinderat beschlossen, die archäologischen Funde vom Gewerbegebiet Ost dem archäologischen Depot des Landratsamtes zur sachgemäßen Aufbewahrung zu übergeben. Der Vortrag der Kreisarchäologin Frau Hurka über die Funde musste krankheitsbedingt entfallen und wird im Januar nachgeholt.

Sehr ausgiebig wurde über ein Bauvorhaben in Palzing, Mühlbachstraße diskutiert. Weniger über den Vorbescheid als solchen, sondern über den mit dem geplanten Bau zusammenhängenden Wegfall von Stellplätzen auf dem Grundstück eines Nachbarn. Bei einer Grundstücksteilung in den 80er Jahren wurde versäumt eine entsprechende Dienstbarkeit einzutragen, womit besagter Nachbar nun nicht mehr die benötigte Anzahl von Stellplätzen nachweisen kann.

Nach der Behandlung einiger Baugenehmigungen und Vergabe von Fliesen- und Malerarbeiten am sanierten Hochbehälter hat der Gemeinderat die Jahresrechnung 2020 festgestellt und Entlastung erteilt.

Anschließend wurde förmlicher Beschluss gefasst über die Förderung der Jugendarbeit aus dem Erlös des Testzentrums, über die Förderung des Stadtradelns 2022 und über die Zukunft der Bürgerzeitschrift Zollo.

Als letzter Ordnungspunkt wurden der neue Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Zolling Wolfgang Westermeier und sein Stellvertreter Martin Dauer bestellt. Beide wurden zuvor bereits am 26.11. von den aktiven Feuerwehrlern gewählt. Die Zustimmung des Kreisbrandrates gilt als Formsache.

Unter dem Punkt „Anfragen und Anregungen“ wurde berichtet, dass z.B. die Ausfahrt aus der St. Jakob Straße teils schwierig sei, weil vorbeifahrende Fahrzeuge die im Ortsgebiet vorherrschende rechts vor links Regelung missachten. Lösung könnte eine zusätzliche Beschilderung oder eine hinweisende Bemalung der Straße sein.

Am Ende des öffentlichen Teils ließ der Bürgermeister das vergangene Jahr kurz Revue passieren. Er bedauerte, dass coronabedingt vieles nicht mit der gewünschten Geschwindigkeit hat umgesetzt werden können, weil nicht unerhebliche Kräfte durch ständige Umplanungen gebunden waren. Gleichwohl hat die Arbeit mit den Gemeinderäten großen Spaß gemacht. Mit guten Wünschen auch an die Zuschauer schloss der Bürgermeister den öffentlichen Teil.

1. April 1971: Palzing wird eingemeindet

Palzing von der Amperkorrektur (Kartenausschnitt um 1905)

Wäre es nach den Vorstellungen des Landratsamtes gegangen, so würde Palzing heute zu Kirchdorf gehören. Doch die Palzinger entschieden sich in einer geheimen Abstimmung am 17.1.1971 mit einer vier fünftel Mehrheit für einen Anschluss an die Gemeinde Zolling.  

Die Entscheidung für Zolling war weniger offensichtlich als es in Anglberg der Fall gewesen war. Entsprechend groß, so wird berichtet, war der Diskussionsbedarf am Stammtisch in der zwischenzeitlich leider aufgegebenen Wirtschaft Grepmair. Gehörte Anglberg bereits zur Pfarrei Zolling und gingen auch die Kinder bereits in die Zollinger Schule, so war die Ausgangslage in Palzing doch ganz anders. 

Da wäre zum einen die Zugehörigkeit der Filialkirche St. Georg zur Pfarrei Kirchdorf. Seit mindestens 1315 besteht diese Zugehörigkeit unverändert bis heute. Palzing ist also ein Beispiel, dass Kirchengemeinde und politische Gemeinde nicht deckungsgleich sein müssen.

Seit der Schließung der eigenen Palzinger Schule 1969 gingen die Kinder der Klassen 1 bis 6 in Kirchdorf zur Schule, die Klassen 7 bis 9 gar nach Allershausen. 1973 wechseln die Hauptschüler nach Zolling. Beim Antrag auf Schulsprengeländerung 1983 gingen die Palzinger Kinder bereits in den Zollinger Kindergarten. Es sollte bis 1989 dauern, bis auch die Grund- und Teilhauptschüler an die Schule Zolling wechseln sollten.

Zu guter Letzt sei noch die seinerzeitige sportliche Konkurrenz von SVA Palzing und SpVgg Zolling erwähnt. Doch auch hier hat sich vieles getan. So ist die Zusammenarbeit auf Jugendebene eine echte Erfolgsgeschichte.

Mit 635 Einwohnern (Stand: 31.12.2020) ist Palzing der drittgrößte Ortsteil der Gemeinde Zolling, fast gleichauf mit Oberappersdorf. Die Gemarkung Palzing beherbergt ein besonderes Schatzkästlein: Im Zuge der Begradigung der Amper zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden viele Schleifen der bis dahin weit mäandrierenden Amper vom heutigen Flussbett abgeschnitten. 1986 wurden die so entstandenen Altwasser und anliegendes Moos zum Naturschutzgebiet Amperauen mit Altwasser bei Palzing erhoben. Mit rund 64 ha Fläche hat Palzing damit ein herausragendes und besonders schützenwertes Stück Natur nach Zolling eingebracht.

Palzing 807 – 2007 – Titelseite der Chronik

Quellen: Georg Völkl, Michael Völkl Jun., Mathias Westermeier: Palzing 807 – 2007, Eine Chronik zur 1200 jährigen urkundlichen Erwähnung, herausgegeben von der Dorfgemeinschaft Palzing; eigene Recherchen